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Die Highlights aus dem Sweetcamp 2018

Von Social Media, Reformulierung und Mehrwertsteuer

Am Donnerstag war ich auf dem ersten Barcamp des Süßstoff-Verbands in Bonn. Ich habe schon mehrere Barcamps erlebt oder besser gesagt mitgestaltet, denn das Wesen eines Barcamps ist es ja, dass die Teilnehmer Themen und Input liefern. Den Rahmen lieferte in diesem Fall der Titel „Sweetcamp“ und der Süßstoff-Verband als Veranstalter.

Wer nicht weiß, wie ein Barcamp funktioniert, kann sich das Erklärvideo von Lightwerk anschauen. Danach sollten nicht mehr viele Fragen offen sein, außer vielleicht die, was den Dinosaurier umtreibt.

Im Artikel beschreibe ich meine Highlights und Erkenntnisse des Sweetcamps. Wer mehr erfahren möchte guckt unter www.sweetcamp.de oder liest unter den Hashtags #sosuesswiedu und #sweetcamp in den Sozialen Medien nach.

Wie sollte die Kommunikation rund um den Zucker aussehen

In meiner ersten Session präsentierte Thomas Fiege vom BLL e. V. die pointierte Art des Verbands, sich mit falschen oder aus Sicht des Verbandes unnützen Postings zum Thema Zucker und Süßungsmittel in den Sozialen Medien auseinanderzusetzen. Kritisiert werden plakative Ansätze, wie das Aufschichten von Zuckerwürfeln neben unetikettierten Lebensmitteln. Der Verband weist nachdrücklich darauf hin, dass auf jedem verpackten Lebensmittel eine Nährwerttabelle aufgedruckt ist, die den Zuckergehalt ausweist. Wie ich im Verlauf des Barcamps lerne, sogar auf Eiern.

Mehrere Teilnehmer kritisieren den Hinweis auf die Kennzeichnung als unzureichend und weisen darauf hin, dass in Deutschland 7,5 Millionen funktionelle Analphabeten leben, die einer solchen Tabelle keinen Sinn entnehmen können.

Ich denke, dass beides seine Daseinsberechtigung hat: Der Verband vertritt die Interessen der Lebensmittelindustrie und verweist auf die transparente Kennzeichnung, die den Herstellern ja auch eine gewisse Mühe und Sorgfalt abverlangt. Dennoch halte ich plakative Aktionen für sinnvoll und nötig, um die breite Masse zu erreichen und zum Nachdenken anzuregen.

Das Thema Zucker ist übermächtig

Gerne hätte ich im Barcamp mehr über Süßstoffe gelernt, aber schnell war klar: In der Diskussion kommen wir am Thema Zucker nicht vorbei. Denn der hat einen mächtig schlechten Ruf. Er macht dick, schadet den Zähnen und dient der Industrie als billiger Füllstoff – so die landläufige Meinung.

So wundere ich mich nicht, dass viele Hersteller zuckerreduzierte Produkte auf den Markt bringen. Im Barcamp lerne ich aber, dass besonders die großen Marken Angst vor Rezepturänderungen haben. Ist ja irgendwie klar. Bricht das Zugpferd der Marke weg, kommt das ganze Unternehmen ins Wanken. So werden zuckerreduzierte Produkte eher als zweites Standbein in die Regale gebracht. Allerdings – so lerne ich – halten sie sich dort meist nicht lange. Schlechte Absatzzahlen führen dazu, dass sie die Regalfläche bald wieder räumen müssen. Unbeantwortet bleibt dabei die Frage, ob sich die Verbraucher vielleicht an das Produkt gewöhnen würden, wenn es länger im Handel wäre.

Rechtlich ist es so, dass ein Produkt als zuckerreduziert beworben werden darf, wenn es mindestens 30 Prozent weniger Zucker enthält, als vergleichbare Waren. Zum Beispiel bei Limonade kein Kinkerlitzchen.

Ich frage mich an dieser Stelle, ob es nicht sinnvoller wäre, dass auch eine geringere Senkung des Zuckergehalts ausgelobt werden dürfte. Der Geschmacksunterschied wäre geringer, die Werbewirkung unter Umständen groß. Vielleicht – so lerne ich – würde die Werbung den Verbraucher aber abschrecken. Das lassen Tests befürchten, die zeigen, dass Produkte mit weniger Zucker dann besser akzeptiert werden, wenn die Zuckerreduktion im Versuchsaufbau verheimlicht wird. Weiß die Testperson über die Reduktion Bescheid, beurteilt sie das gleiche Produkt oft schlechter.

Brauchen wir eine Zuckersteuer?

Auch die Session über eine mögliche Zuckersteuer liefert neue Erkenntnisse. So lerne ich, dass die Zuckersteuer, die es in Deutschland einmal gab sechs Euro pro 100 Kilogramm betrug. Sie ist in den 1990ern der Vereinheitlichung des EU-Rechts zum Opfer gefallen. Heute wird das Thema vielschichtiger diskutiert: Großbritannien hat eine Steuer auf zuckergesüßte Getränke eingeführt, die die Reformulierung vieler Produkte zur Folge hatte. Nur so entgehen die Hersteller der Zuckersteuer. Diskutiert wurde auch der Ansatz den Mehrwertsteuersatz für zuckerreiche oder auf andere Weise als ungesund bewertete Produkte auf 19 Prozent anzuheben. Zur Zeit profitieren Schokolade, Gummibärchen und Co. vom vergünstigten Steuersatz, der ursprünglich dazu dienen sollte, Grundlebensmittel für jeden erschwinglich zu halten. Die entscheidende Frage hier lautet: Wer bestimmt eigentlich, was ungesund ist?

Fazit

Ich bleibe dabei, dass ich Barcamps grundsätzlich mag und habe die offenen Gespräche im Sweetcamp genossen. Allerdings hätte ich mir auch kleinere Sessions gewünscht, um individueller und kleinteiliger diskutieren zu können. Meine letzte Session fand ohne Moderation statt, so dass die Unterhaltung zwischenzeitlich etwas dahindümpelte. Wie auch immer es dazu kam, mir hat das nicht so gut gefallen.

Trotzdem ziehe ich nach vielen Diskussionen und angeregten Pausengesprächen ein positives Fazit: Ich habe viel über Zucker und Verbraucher gelernt, weniger über Süßstoffe. Das liegt auch an meiner Sessionwahl, denn es gab durchaus praxisbezogene Sessions. Dafür habe ich mich mit Infomaterial eingedeckt, so dass ich zu Hause nachlesen kann. Ich habe interessante Leute getroffen und neue Kontakte geknüpft. Herzlichen Dank für die Organisation des Sweetcamps an den Süßstoff-Verband! Ich bin schon aufs nächste Jahr gespannt.

Nachsatz: Die Teilnahme am Sweetcamp war kostenlos, ich wurde den ganzen Tag lecker verköstigt, habe aber ansonsten keine Vergütung für diesen Artikel erhalten.

 

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